10 Jahre 11. September
Eine interreligiöse Meditation zum 11. September
Meditation mit Ringparabel? Ich war sehr gespannt, was mich am Abend des 11. September 2011 in der St. Georgskirche erwartet. Meditation – so habe ich nachgelesen – ist abgeleitet von dem lateinischen Verb meditari "nachdenken, nachsinnen, überlegen". Es ist eine in vielen Religionen und Kulturen ausgeübte spirituelle Praxis.
Das ist allen Akteuren gelungen! Pastor Kay Kraack, Imam Ercan Yüksekkaya und Michael Nüssen von der jüdischen Gemeinde durch ihre Worte zum Nach-Denken insbesondere aber auch zum Bedenken des eigenen Standpunktes angeregt.
Wer ist Gott, was ist Glaube? Was wollen Christen, Juden, Muslime aber auch Vertreter anderer Weltanschauungen? Ist nicht höchstes Ziel aller Religionen innerer und äußerer Frieden? Wurde andererseits nicht zu allen Zeiten und in vielen Religionen der Name Gottes auch zu Unrecht missbraucht? Ist es nicht gerade dann wichtig, genau hinzuhören und hinzusehen und zwischen Gläubigen und Tätern zu differenzieren?
Das einende, das positive und gleich Berechtigte in jedem Glauben, in jeder Weltanschauung zu sehen, das hat den Abend geprägt. Wunderbar waren auch die musikalischen Beiträge der Moschee sowie der jüdischen Gemeinde.
Die Darstellerinnen des Albert-Schweitzer Gymnasiums haben diesen Ansatz durch ihre szenische Lesung der Ringparabel aus "Nathan der Weise" spielerisch noch einmal in ganz besonderer Weise hervorgehoben. Der Text, der bereits für sich genommen tausend Jahre alte Fragen beeindruckend aufgreift, wurde von den jungen Akteuren mit hoher Intensität dargestellt. Ich sehe sie noch immer durch die Kirche schreiten und fühlte mich mehr "von Weisen aus dem Morgenland" als von Mitgliedern eines Profilkurses "Musik in Zeit und Szene" umgeben. Dieselbe Intensität ging von der Musik aus. Die Fassungen des Stücks von Arvo Pärt öffneten Herz und Verstand. "Es eifre jeder stets seiner unbestochnen, von Vorurteilen freien Liebe nach!"
Ich bin nach dieser interreligiösen Meditation sehr erfüllt nach Hause gegangen.
Bene Schmidt-Joho, 18.9.2011