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Der Stadtteil Borgfelde

Der Gesundbrunnen um 1675Während die meisten Stadtteile Hamburgs sich aus ehemaligen Dörfern, also meist aus uralten Siedlungsgebieten, zunächst zu Vororten entwickelten, um dann später als Stadtteile Hamburg angegliedert zu werden, ist Borgfelde, wie der Name schon sagt, ursprünglich ein Feld gewesen, das den Stadtbewohnern, den Bürgern (plattdeutsch "Borger" oder "Börger") zur Benutzung angewiesen wurde. Schon 1256 traten die Grafen Johann und Gerhardt von Holstein ihre brachliegenden Ländereien zwischen Eilbek und Hamm an Hamburg ab. Die Stadt stellte dieses Gebiet den Bürgern für das innerhalb der Stadtmauern in Ställen untergebrachte Vieh zum Weiden zur Verfügung. Daran erinnert noch heute der Name "Bürgerweide". Um die freie Aussicht von den Festungswerken nicht zu behindern, durften auf dem Borgfelde bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts keine Gebäude errichtet werden. Als 1679 eine Befestigungsanlage, das "Neue Werk" angelegt wurde, kam es zu einer Teilung des großen Borgfeldes. Ein Teil verblieb innerhalb der Festungslinie und wurde "Borgesch" genannt. Unter "Esch" verstanden unsere Vorfahren ein Feld, das der ganzen Gemeinde gehörte und von mehreren gemeinsam bewirtschaftet wurde. Das "Borgesch" kam so zu St. Georg. Für den restlichen Teil blieb der Name Borgfelde erhalten.

Das ländliche Borgfelde um 1716Die älteste Karte von Borgfelde aus dem Anfang des achtzehnten Jahrhunderts zeigt schon die Hauptstraßen, die zwar noch unbebaut waren, aber als Verkehrswege bereits Bedeutung hatten. Man sieht zunächst den "Weg nach dem Hammer Baum", einer Zollschranke, die sich vor dem Dorfe Hamm befand. Es handelt sich heute um die Borgfelder Straße. Ferner sieht man den seit dem 14. Jahrhundert bestehenden "Ausschläger Weg", der nach dem Billwerder Ausschlag führte. Weiter ist eingezeichnet "Der Weg über das Felt nach Wache I", der frühere Mittelweg, der nach 1899 Klaus-Groth-Straße heißt. Östlich davon liegt die "Landt Were". Die Landwehr war ein alter, bereits im Anfang des 14. Jahrhunderts bestehender Festungswall, der erst 1899 abgetragen worden ist, bis auf einige Reste, die in dem Wege "Hohe Landwehr" noch deutlich zu erkennen sind.

An all diesen Verbindungswegen standen insgesamt nur zehn kleinere Gartenhäuser. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts ließen sich einige Stadtbewohner draußen auf dem Borgfelde Gartenhäuser erbauen, doch blieb eine stärkere Besiedlung noch aus. 1810 betrug die Einwohnerzahl nur 284. Als die Franzosenzeit hereinbrach, wurde auf Befehl des Marschalls Davoust auch auf dem Borgfelde "reiner Tisch" gemacht. Die Häuser wurden verbrannt, die Anpflanzungen vernichtet. Auf dem öden Ruinenfeld legten die Franzosen vorgeschobene Schanzen an, die eine nördlich von dem oberen Weg (Oben Borgfelde), die andere unmittelbar in den Gärten der Borgfelder Straße, so daß von ihr aus der Ausschläger Weg unter Feuer genommen werden konnte. Auch die Landwehr wurde zu Verteidigungszwecken wieder hergerichtet. Nach dem Abzug der Franzosen 1814 kehrten die Borgfelder zu ihren verwüsteten Heimstätten zurück. Viele, die nicht die Mittel hatten, sich wieder Häuser errichten zu lassen, bauten sich Erdhütten, in denen sie jahrelang hausten. Es dauerte lange, bis sich auf dem Trümmerfeld wieder schmucke Landhäuser erhoben.

Als Wohngelände in größerem Maßstabe wurde Borgfelde erst Mitte der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts in Anspruch genommen. Nach der Anlegung neuer Straßenzüge entwickelte sich eine rege Bautätigkeit. Anstelle der kleinen Gartenhäuschen traten große Mietshäuser. Das rasche Wachstum dieses Stadtteils wird aus dem Vergleich der Einwohnerzahlen ersichtlich. Borgfelde (damals bis zur Bille reichend) hatte Einwohner:

1800: 2841890: 15 5091880: 6 5381894: 18 0961885: 10 5101938: 29 872

Erwähnenswert ist noch die große Zahl von milden Stiftungen, die von 1880 - 1895 an der Bürgerweide und Baustraße (der jetzigen Hinrichsenstraße) errichtet wurden. Das Hiob-Hospital wurde 1505 ursprünglich als Pockenhaus gegründet. Es stand an der Spitalerstraße und wurde nach 1882 nach der Bürgerweide verlegt und im gleichen Stil erbaut wie das Gebäusde in der Spitalerstraße.

Das Abdickestift wurde in den achtziger Jahren durch den Möbelhändler Robert Abdickes gegründet. Das Alida Schmidtstift wurde 1874 errichtet. Das Kinderkrankenhaus in der Hinrichsenstraße stammt aus den Jahren 1887/88.

Die 1907 regulierte Borgfelder Straße 57-59                  Claus-Groth-Straße um 1906

1888 wurde das Döhner Hubestift gegründet, das nach seiner Zerstörung am Quellenweg wieder neu errichtet wurde. Am 2. April 1954 wurde der Grundstein zum neuen Sophie-Döhner-Hube-Stift gelegt. Obgleich nicht mehr in Borgfelde gelegen, gehört es doch weiterhin zu unserer Kirchengemeinde und wird von den Borgfelder Pastoren seelsorgerlich betreut.

1885/86 wurde das Bethesda-Krankenhaus, das von Pastor Ninck und Elise Averdieck erbaut worden war, nach Borgfelde verlegt. Es wurde an der Burgstraße (Ecke Bethesda-Straße) von dem Architekt Martin Haller, der ebenfalls das Hamburger Rathaus errichtete, erbaut. Vor dem Eingang stand hinter einem Wasserbecken die Figur des Engels, der nach Johannes 5,4 das wasser des Teiches Bethesda bewegte. Im dritten Reich mußte das Krankenhaus wegen seines angeblich "jüdischen Namens umbenannt werden. Es hieß dann Elise-Averdieck-Krankenhaus. 1943 wurde das Krankenhaus, wie fast der ganze Stadtteil zerstört. Ein Ruhmesblatt in der Geschichte Borgfeldes ist, daß die Schwestern und Ärzte unter Einsatz ihres Lebens im Bombenhagel und Feuersturm sämtliche Kranke in Sicherheit gebracht haben. Das Krankenhaus wurde in Borgfelde n icht wieder aufgebaut, sondern nach Bergedorf verlegt. Die Bethesda- und Elise-Averdieck-Straße erinnern aber noch daran.

Die Verwüstung Borgfeldes im Jahre 1943 im Bombenkrieg haben ein Teil der noch heute lebenden Gemeindemitglieder selber miterlebt. Unvorstellbar war das Ausmaß der Zerstörung. Ungezählte Menschen verloren ihr Leben. Das große Massengrab in Ohlsdorf mit der Aufschrift "Borgfelde" birgt nur einen Teil der Opfer. Die noch Lebenden zogen meist in andere Stadtteile, da es in Borgfelde kaum noch Wohnmöglichkeiten gab. Die Zahl der Einwohner sank auf unter 1000 ab. Jetzt ist aber Borgfelde neu und schön aus den Trümmern erstanden und die Einwohnerzahl hat die 10 000 Grenze wieder überschritten.

Quelle: Informationsbuch "Borgfelde - unsere Heimat", November 1963

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