Die Orgeln in St. Georg und Borgfelde
Unsere Orgeln – sie stehen bescheiden im Hintergrund der Kirchen, gegenüber dem Altar, zur musikalischen Verkündigung. „Königin der Instrumente“ nannte Mozart sie einst! In früheren Jahrhunderten stand die Orgel zumeist nahe dem Altar, seit etwa dreihundert Jahren wurde sie hinter den Rücken der Gemeinde verbannt, vorwiegend als Begleiter des Gemeindegesanges, aber sie kann mit den Fröhlichen jubeln und die Traurigen trösten.
Ein kurzer Rückblick in die Geschichte:
In der ersten St. Georgskirche erklang bis zu ihrem Abriß im Jahre 1747 eine Orgel des berühmten Arp Schnitgers. Dieses Instrument wurde an die Katharinenkirche des kleinen Städtchens Lenzen verkauft, wo es auch heute noch seinen Dienst tut, nachdem es im Jahre 2006/2007 restauriert worden ist. Nach dem Tode Schnitgers 1719 leistete sich St. Georg eine große Orgel seines Schülers Johann Dietrich Busch mit einem wunderschönen Prospekt (Schauseite der Orgel). Nach weiterer Vergrößerung 1889 durch Ernst Röver und 1931 durch die Firma Walcker hatte das Orgelwerk 70 Register mit 4200 Pfeifen. Der mächtige Orgelprospekt von 1747 war erhalten geblieben. Leider wurde diese Barockkirche im zweiten Weltkrieg durch die Bombenangriffe auf Hamburg zerstört.
In der jetzigen Kirche von St. Georg baute die Firma Walcker im Jahre 1959 die heutige große Orgel ein. Außer einer technischen Umgestaltung 1970/71 dient diese Orgel bis heute der Gemeinde. In ihr erklingen in 36 Registern 2458 Pfeifen: Die längste ist 5,40 Meter lang, die kürzeste wenige Millimeter. Im Spieltisch befinden sich drei Manuale und eine Pedal-Klaviatur. Mit der Größe der Orgel und auch dem Kirchenneubau sollte an die lange Konzerttradition der zerstörten Kirche angeschlossen werden.
Zur Gemeinde St. Georg-Borgfelde gehört auch die Erlöserkirche. Die Gemeinde Borgfelde gehörte ursprünglich zur „Muttergemeinde St. Georg“, wurde um 1900 selbständig und schloß sich vor wenigen Jahren im Rahmen einer Fusion wieder mit St. Georg zusammen zur Gemeinde St. Georg-Borgfelde.
1903 erbaute gleichfalls die Orgelanstalt Walcker in der neuen Erlöserkirche eine Orgel mit 22 Registern auf 2 Manualen und Pedal als ihr opus 1105. Bemerkenswert: Der damalige Hauptpastor von St. Nikolai, ein gebürtiger Borgfelder, machte der Gemeinde diese Orgel zum Geschenk, wie auf einem kleinen Schild an der Orgel zu lesen war. Zum Vergleich: heute würde dieses Instrument ca. 280 000 Euro kosten!
Auch die Erlöserkirche wurde im zweiten Weltkrieg zerstört. Anno 1952 entstand die heutige Erlöserkirche als erster absolut neuer Kirchenbau in Hamburg nach dem Kriege. Fachleute lobten die vorbildliche Akustik dieses Neubaus. Der hoch angesehene Orgelbauer Rudolf von Beckerath, der im Jahre 1949 seine Werkstatt in Hamburg errichtet hatte, war der Erbauer der Orgel mit 23 Registern und 1400 Pfeifen auf zwei Manualen und dem Pedal. Außer einer 1982 erfolgten geringfügigen Veränderung – das Register Quintade 16’ wurde durch ein Rohrgedackt ersetzt und eine Pedalkoppel kam hinzu – erfreut dieses schön klingende Instrument seit einem halben Jahrhundert die Gemeinde und viele Spieler und Hörer aus nah und fern. Das Prospekt - die Schauseite der Orgel – ist dem der Orgel Albert Schweitzers in seiner Heimatgemeinde Günzbach (Elsaß) nachempfunden.
Abschließend noch etwas Prosaisches:
Heute ist es üblich, die Dinge nach ihrem Geldwert zu beurteilen. In diesem Zusammenhang sind beide Orgeln die teuersten Einrichtungsgegenstände in ihren Kirchen. Jede Orgel wird handgefertigt und maßgeschneidert im Hinblick auf den Raum, in dem sie gespielt werden soll. Die große Orgel in St. Georg entspricht einem Geldwert von etwa 500 000 Euro, die kleinere in der Erlöserkirche etwa 280 000 Euro.