Grußwort und Geschenk zum Kirchweih-Jubiläum 2007
Grußwort von Ramazan Ucar, Imam der Islamischen Gemeinde Hamburg (Centrum Moschee),
zum Festgottesdienst mit Bischöfin Maria Jepsen in der Dreieinigkeitskirche am 9. Dezember 2007
Sehr geehrte Frau Jepsen, liebe Gemeinde,
ich bedanke mich herzlich für die Einladung zu diesem besonderen Ereignis des heutigen Doppeljubiläums. Seit nun nahezu einem Jahrzehnt verbinden uns mit der Dreieinigkeitskirche, insbesondere mit den Pastoren Gunter Marwege und Kay Kraak, eine rege Dialogarbeit, welche zur Bereicherung unseres Miteinanders beigetragen hat. Die gegenseitigen Besuche auf Gemeindeebene, der Austausch, die gemeinsam durchgeführten Friedensgebete sowie Schulgottesdienste sind nur einige Beispiele unserer jahrelangen Zusammenarbeit, die das gegenseitige Vertrauen stärkten.
Der Koran lehrt uns, dass die Unterschiede zwischen den Menschen ein Zeichen göttlicher Weisheit sind, damit die Menschen voneinander lernen. Der Koran fordert die Muslime, Juden und Christen auf, miteinander in guten Werken zu wetteifern. Tatsächlich ist vielen Muslimen erst hier, durch die Begegnung mit dem Anderen, ihr eigener Glaube bewusst geworden. Ich denke, dass das auch auf viele Christen zutrifft.
Sicherlich gibt es auch Unterschiede, die uns in unserer Glaubensauffassung trennen. Doch gibt es mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes. Der Koran zeigt sehr deutlich, dass die Christen den Muslimen sehr nahe stehen, dank der Lehren und Tugenden, die sie miteinander teilen.
Er sagt: ...“Und du wirst finden, dass den Gläubigen diejenigen am freundlichsten gegenüberstehen, welche sagen: „Wir sind Christen“, weil unter ihnen Priester und Mönche sind und weil sie nicht hochmütig sind. Wenn sie hören, was zum Gesandten hinabgesandt wurde, siehst du ihre Augen von Tränen überfließen, wegen der Wahrheit, die sie darin erkennen. Sie sprechen: “Unser Herr, wir glauben; so schreibe uns unter jene, die es bezeugen... und Gott hat sie für ihre Worte mit Gärten belohnt, durcheilt von Bächen, ewig darin zu verweilen. Das ist der Lohn derer, die Gutes tun.“ (Sure 5, Vers 82-85)
Wir alle tragen Verantwortung für eine friedvolle Welt. Das Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen unter dem Dach der geltenden Rechtsordnung ist wichtig und möglich. Als Religionsvertreter ist es unsere Aufgabe vorbildhaft zu demonstrieren, was einen respektvollen Umgang miteinander sowie einen Dialog auf Augenhöhe ausmacht.
Hierbei ist nicht die Höhe der Kirchtürme oder der Minaratte der richtige Maßstab, sondern die Qualität des Dialoges.
Die Centrum Moschee und die Dreieinigkeitskirche in St. Georg gehen hier mit gutem Beispiel voran. Wir wünschen uns, dass viele Gemeinden diesem Beispiel folgen – für eine bessere Zukunft in gegenseitiger Achtung.
Meine Damen und Herren, liebe Brüder und Schwestern, in diesem Jahr findet das Weihnachtsfest der Christen sowie das Opferfest der Muslime fast zeitgleich statt – zum heutigen Doppeljubiläum wird sich also auch eine Art „Doppelfest“ gesellen. Wir wünschen allen unseren christlichen Brüdern und Schwestern ein gesegnetes und besinnliches Weihnachtsfest. Allen muslimischen Brüdern und Schwestern wünschen wir ein gesegnetes und besinnliches Opferfest. Bitte gedenkt auch all’ der armen Mitmenschen, spendet, um Ihnen auch eine Freude zu bereiten. Ich bedanke mich für ihre Aufmerksamkeit und wünsche ihnen einen frohen 2. Advent.
Ramazan Ucar
Islamische Gemeinde Hamburg
Centrum Moschee e.V.
Nach dem Grußwort von Imam Ucar übergab Ahmet Yazici, stellv. Vorsitzende der Islamischen Gemeinde Hamburg - Centrum Moschee e.V. und stellv. Vorsitzender des Bündnisses der islamischen Gemeinden in Norddeutschland e.V., der Gemeinde als Geschenk einen wertvollen Druck von Gregor Schneider zu dessen Kunstprojekt "Cube Hamburg".
Das als "Bastelanleitung" gestaltete Kunstwerk, welches - zusammengebaut - an die Kaaba erinnert, das zentrale Herzstück des islamischen Glaubens in Mekka, hat die Form eines Kreuzes.
In Hamburg konnte gerade auch mit Hilfe und Unterstützung der Centrum Moschee ein Klima der Akzeptanz entstehen und daher das anfänglich nicht unumstrittene Werk "Cube Hamburg" (s.u.) präsentiert werden.
Gregor Schneider selbst hat Anfang 2007 in seiner Ansprache in der Moschee im Rahmen eines Freitagsgottesdienstes betont, dass die Kaaba, deren Wurzeln ja bis ins Alte Testament reichen, nicht nur ein zentrales Heiligtum der Muslime sei, sondern auch ein integrierendes Zeichen der Verständigung zwischen unseren Religionen. Schneider wörtlich: "Die monotheistischen Religionen Islam, Christentum und Judentum berufen sich auf Abraham, im arabischen Ibrahim, als Propheten und Stammvater. Es heißt Abraham, also Ibrahim, war der Erbauer der Kaaba. Wir können sehr wohl in dem Bauwerk ein interreligiöses Symbol sehen."1
Für die Verständigung der Religionen ist die Symbolik der aufgeklappten Kaaba ein Zeichen:
Gefaltet ergibt sie das Zentralheiligtum der Muslime, aufgefaltet das zentrale Symbol der Christen.
Gregor Schneider hat der Centrum-Moschee zwei dieser wertvollen Drucke zum Dank überreicht. Eines hängt nun in der Moschee - als Kaaba, eines wird bei uns in der Kirche hängen - als Kreuz.
Kann man besser unsere Verbundenheit als Schwestern und Brüder im Glauben an den einen Gott ausdrücken?
Die Gemeinde bedankt sich herzlich für dieses Geschenk.
Zur Geschichte des Kunstprojekts "Cube":
Hamburger AbendblattDie Zeit
Der Spiegel
3sat (Teil 1)
3sat (Teil 2)
Alle Bilder vom Festgottesdienst und der Ausstellungseröffnung finden Sie hier.